07.10.2026
German Design Graduates 2026

Neue Sammlung – The Design Museum, München

71 Abschlussarbeiten aus 28 Hochschulen, eine konsequent auf Wiederverwendung ausgerichtete Ausstellungsarchitektur und ein Programm an der Schnittstelle von Hochschule, Kultur und Wirtschaft: "MAKE IT MAKE SENSE" untersucht, wie sich Design verändert, wenn seine Aufgaben über Form und Funktion hinausreichen. Präsentiert wird die Ausstellung in Kooperation mit der Neuen Sammlung – The Design Museum in München. Aus mehr als 480 Einreichungen des aktuellen Jahrgangs wurden 71 Abschlussarbeiten ausgewählt. Sie kommen aus Produkt- und Industriedesign, Kommunikations- und Digitaldesign sowie Textil- und Modedesign. Zu sehen vom 16. Oktober bis 29. November 2026.

Design operiert heute in einem wesentlich erweiterten Feld. Materialentscheidungen berühren Ressourcenfragen, digitale Systeme verändern Autorschaft und Handlungsmacht, Interfaces organisieren Zugang, Infrastrukturen prägen Verhalten. Gestaltung betrifft damit nicht mehr allein die Qualität einzelner Objekte, sondern zunehmend die Bedingungen, unter denen gesellschaftliche und wirtschaftliche Prozesse stattfinden. Das verändert auch die Designausbildung. Hochschulen werden zu Orten, an denen neue Methoden, Rollen und Verantwortlichkeiten erprobt werden können, bevor sie sich etablieren. Abschlussarbeiten können sichtbar machen, welche Fragen eine Disziplin neu zu stellen beginnt.

Hier setzt "MAKE IT MAKE SENSE" an. Der aus der Netzkultur stammende Ausdruck bezeichnet den Moment, in dem bekannte Erklärungen nicht mehr tragen und Zusammenhänge neu hergestellt werden müssen. Für Design wird daraus eine Haltung: nicht Komplexität zu reduzieren, sondern sie lesbar zu machen; nicht nur Lösungen zu gestalten, sondern auch die Voraussetzungen zu untersuchen, aus denen Probleme überhaupt entstehen.

„Ein Designmuseum sammelt nicht nur Objekte, sondern auch Vorstellungen davon, was Gestaltung zu einer bestimmten Zeit leisten sollte. Abschlussarbeiten sind in diesem Zusammenhang besonders aufschlussreich, weil sich in ihnen Ideen zeigen, bevor daraus etablierte Praxis wird. MAKE IT MAKE SENSE macht sichtbar, wie sich der Gegenstand von Design erweitert und damit auch die Kriterien, nach denen wir Gestaltung künftig beurteilen werden“, erklärt Direktorin Prof. Dr. Angelika Nollert.


Kuratorinnen der Ausstellung sind Katrin Krupka und Leonie Zebe gemeinsam mit einem internen Komitee des German Design Council. Ergänzend wählen Prof. Dr. Angelika Nollert, Dr. Caroline Fuchs, Dr. Xenia Riemann-Tyroller und Dr. Josef Straßer von der Neuen Sammlung jeweils ein persönliches Highlight aus den 71 Exponaten.

Die Haltung der Ausstellung setzt sich in ihrer Produktion fort. Rund 8.500 kg bereits vorhandener Materialien werden für die Ausstellungsarchitektur weiterverwendet. Keramik, Stahl und Textilien werden aus bestehenden Zusammenhängen übernommen und neu eingesetzt. Dabei wurden rund 9.000 kg CO₂e vermieden.
Nachhaltigkeit erscheint damit nicht als zusätzliches Thema der Ausstellung, sondern als konkrete Umsetzung. Herkunft, Gebrauchsspuren und bereits investierte Ressourcen werden nicht unsichtbar gemacht, sondern als Teil des Materials weitergedacht.

Das Ausstellungsdesign stammt von ttal mit Andreas Lang, Tillmann Gebauer und Tobias Trübenbacher. Das Studio setzte sich im Auswahlprozess mit einem konzeptionellen und gestalterischen Ansatz durch, der die Inhalte in den Raum übersetzt.
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