16.03.2026
Pritzker Preis 2026

Der Chilene Smiljan Radić ist diesjähriger Preisträger

Der Pritzker-Preis, die höchste internationale Architektur-Auszeichnung, geht in diesem Jahr an Smiljan Radić aus Santiago, Chile. Seine Arbeiten zeichnen sich oft durch Flüchtigkeit, Zerbrechlichkeit, Andersartikeit und Offenheit aus. Erst vor einigen Wochen wurde bekannt, dass Thomas Pritzker, Sohn des Stifterehepaars Jay A. und Cindy Pritzker und Erbe der Hyatt-Hotelkette, im engen Kontakt mit Jeffrey Epstein stand. Inzwischen ist er von seinen Funktionen zurückgetreten. Dennoch werfen seine Verstrickungen mit dem Sexualstraftäter einen Schatten auf den renommierten Architekturpreis. (Siehe arcade-Online-News vom 20.2.26.)

In der neunköpfigen Jury des diesjährigen Pritzker Preises saßen wieder die früheren Preisträger:innen Alejandro Aravena (2016), Kazuyo Sejima (2010) und Anne Lacaton (2021). Den Vorsitz hatte der ebenfalls aus Chile stammende Aravena.

Smiljan Radić, der ein kleines Architekturbüro in Santiago führt, lehnt eine wiederholbare Architekturhandschrift ab, stattdessen betrachtet er jedes seiner Projekte völlig neu. Dabei sind dem 60-Jährigen vor allem Faktoren wie Kontext, Nutzung, Konvergenz der Geschichte, soziale Gegebenheiten sowie politische Umstände wichtig. Aus diesen Zusammenhängen entwickelt er Materialien und Formgebung für seine eigenständigen Entwürfe. So arbeitet er etwa mit aufblasbaren Membranen, zeltartigen Konstruktionen oder Glasfaser-Hüllen. Er selbst beschreibt es so: „Architektur bewegt sich zwischen großen, massiven und beständigen Formen – Bauwerken, die seit Jahrhunderten unter der Sonne stehen und auf unseren Besuch warten – und kleineren, zerbrechlichen Konstruktionen – flüchtig wie das Leben einer Fliege, oft ohne klares Schicksal unter normalen Gesichtspunkten. In diesem Spannungsfeld unterschiedlicher Zeitdimensionen streben wir danach, Erlebnisse zu schaffen, die emotionale Präsenz vermitteln und die Menschen dazu anregen, innezuhalten und eine Welt neu zu betrachten, die so oft gleichgültig an ihnen vorbeizieht.“

In der Begründung der Jury heißt es u.a.: „Smiljan Radić bevorzugt Zerbrechlichkeit gegenüber einem ungerechtfertigten Anspruch auf Gewissheit. Seine Bauten wirken temporär, instabil oder bewusst unvollendet – oft fast am Rande des Verschwindens – und doch vermitteln sie ein strukturiertes, optimistisches Gefühl von Schutz, Verletzlichkeit als eine intrinsische Bedingung gelebter Erfahrung anerkennen.“
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