24.02.2026
IBA: Deutliches Minus
Orgatec als Impulsgeber

Foto/Grafik: VS Vereinigte Spezialmöbelfabriken GmbH & Co. KG
Modern und flexibel gestaltete Arbeitsplätze bleiben ein wichtiger Investitionsschwerpunkt der Branche.
Die anhaltende Investitionszurückhaltung und eine insgesamt fragile wirtschaftliche Lage haben 2025 deutliche Spuren in der Büromöbelindustrie hinterlassen. Nach aktuellen Erhebungen des Industrieverband Büro und Arbeitswelt (IBA) erzielte die Branche im vergangenen Jahr einen Gesamtumsatz von rund 2,2 Mrd. Euro und lag damit 8,8 % unter dem Vorjahreswert. Besonders stark betroffen: das Inlandsgeschäft, das um 10,3 % zurückging, während der Auslandsumsatz mit einem Minus von 2,8 % vergleichsweise stabil blieb. Die Exportquote der Branche erhöhte sich im Vergleich zum Vorjahr leicht von 20,5 % auf 21,9 %.
International aufgestellte Unternehmen im Vorteil
Die meisten Verbandsunternehmen waren vom aktuellen Negativtrend betroffen. Dennoch zeigen sich deutliche Unterschiede. Besonders robust erwiesen sich Hersteller, die neben klassischem Büromobiliar auch Lösungen für Bildung, Gesundheitswesen oder projektbezogene Objektmöblierung anbieten und in mehreren Märkten aktiv sind. „Unternehmen, die ihr Geschäftsfeld breiter aufgestellt und frühzeitig auch internationale Märkte sowie ergänzende Services erschlossen haben, konnten die Rückgänge insgesamt besser abfedern“, betont Helmut Link, Vorsitzender des IBA. Die im Jahresverlauf leicht steigenden Aufträge aus Märkten außerhalb der EU (plus 2,8 %) unterstreichen zudem die wachsende Bedeutung globaler Absatzstrukturen.
Strukturelle Anpassung statt kurzfristiger Effekte
Die Branche reagierte mit einer vorsichtigen Anpassung ihrer Kapazitäten. Die Beschäftigtenzahl ging im Durchschnitt um 2,9 % zurück, die geleisteten Arbeitsstunden nahmen um 5,5 % ab. Statt eines flächendeckenden Stellenabbaus setzen viele Unternehmen auf das Auslaufen befristeter Verträge, natürliche Fluktuation und Zurückhaltung bei Neueinstellungen. „Gleichzeitig nutzen unsere Mitglieder die aktuelle Phase, um ihre Produktivität weiter zu steigern und Digitalisierungsprozesse einschließlich entsprechender Qualifizierungen voranzutreiben“, erläutert Helmut Link.
Verhaltener Ausblick, aber klare Investitionsagenda
Vor dem Hintergrund der Konjunkturlage rechnet der IBA kurzfristig nicht mit einer schnellen Trendwende. Gleichzeitig sieht der Verband weiterhin erheblichen Anpassungsbedarf in vielen Bürogebäuden. „Unsere Kunden haben die Neugestaltung ihrer Büros in den vergangenen Jahren vielfach nur aufgeschoben“, erklärt Link. „Sobald sich die wirtschaftlichen Bedingungen aufhellen, wird dieser Nachholbedarf zum zentralen Treiber für die Nachfrage nach hochwertigen , flexiblen Einrichtungslösungen.“
Impulsgebern für diesen Wandel ist auch die Orgatec, internationale Leitmesse für moderne Arbeitswelten und Contract Business (27. bis 30. Oktober) in Köln. Mit dem „Wherever Whenever – Work Culture Festival“ als kuratiertem Content‑ und Diskursformat rnimmt die Branche Fragen der Arbeitskultur, der Flächenstrategien und der Rolle des Büros noch stärker in den Fokus. „Wir erwarten, dass die Messe zu einem wichtigen Katalysator für Investitionsentscheidungen wird, weil dort sichtbar wird, wie sich Wirtschaftlichkeit, Arbeitgeberattraktivität und neue Arbeitsformen verbinden lassen“, so Link. Ungeachtet der aktuellen Lage investieren zahlreiche Hersteller weiter in zirkuläre Konzepte, digitale Services und Beratungsleistungen entlang des gesamten Projektzyklus. „Viele unserer Mitgliedsunternehmen nutzen die Phase der Zurückhaltung, um ihr Portfolio zu schärfen, neue Märkte zu erschließen und ihre Beratungskompetenz auszubauen“, erläutert Stefan Kokkes, Geschäftsführer des IBA. „So sind sie bestens vorbereitet, wenn Nachfrage und Projektvolumen wieder anziehen.“