Portrait
SeelBobsinPartner

Storys, Grafics und Resilienz

1998 gründeten Kim Marc Bobsin (r.) und Gunnar Seel ihr Innenarchitektur-Studio SeelBobsinPartner. Über die Jahre auf 10 Mitarbeiter angewachsen, tummeln sich die Interior-Profis auf den unterschiedlichsten Gestaltungs-Gebieten. Warum das

– gerade aktuell – ein großer Vorteil ist, welche Rolle zudem die Themen Farbe und Grafik spielen und weshalb sie auch gerne mal den Buhmann geben, verriet uns Kim Marc Bobsin im persönlichen Gespräch.

Wir entwickeln unsere Projekte sehr stark aus der Story ­heraus“, erklärt Kim Marc Bobsin beim Besuch im Hamburger Studio, gelegen im schönen Stadtteil Eppendorf. Aus diesen individuellen, passgenau auf das jeweilige Unternehmen zugeschnittenen Geschichten entwickelt das Innenarchitekten-Team von SeelBobsinPartner (kurz: SBP) Konzepte in allen Facetten und Details. Wichtig ist dabei: die ganzheitliche Betrachtungsweise aus unterschiedlichen Perspektiven. Bestes Beispiel ist eines der jüngsten Konzepte für das Unternehmen Euler Hermes (siehe arcade 4/20), das sich ganz dem Thema Nachhaltigkeit verschrieben hat. So rankt sich die Story hier um das Thema „Biophilic“, sichtbar in den verschiedensten Ausprägungen, wie zum Beispiel biophile Farben, Formen, Strukturen, den Einsatz von Grünpflanzen sowie groß-­flächige Grafiken.
Zwei wesentliche Komponenten sind in puncto Gestaltung fest in der DNA von SBP verankert und ziehen sich durch sämtliche Projekte: Mut zur Farbe und die Lust an der Grafik. Zum einen, um gekonnt optische Akzente zu setzen, etwa in Form von farbigen Flächen und Bildmotiven an Boden, Decke oder Wand. Zum anderen, weil es zwei wirkungsvolle, sich ergänzende Gestaltungstools sind. Gerade wenn es um Leit- und Orientierungs-Systeme geht. Hier dient Grafik grundsätzlich als Verstärker und Katalysator von Inhalten, Ideen und Botschaften. Kim Marc Bobsin: „Für uns ist Grafik ein Handwerkszeug zum gesteigerten Ausdruck von Stimmungen und Atmosphären. Ein facettenreiches Mittel, um Themen gestalterisch zu transferieren, anschaulich zu übersetzen oder zu abstrahieren.“ So werden z.B. standortspezifische oder historische Motive ganz neu interpretiert und modern in Szene gesetzt. Etwa durch gepixelte Rasterbilder oder überraschende Collagen.
Die Liebe zur Grafik liegt Kim Marc Bobsin im Blut. Er zeichnet, skizziert und illustriert so lange er denken kann und wollte ursprünglich Grafikdesigner werden. Dass es dann doch die Innenarchitektur wurde, hat sich so ergeben und kommt seinem Talent entgegen. (Übrigens auch seiner Diplom­arbeit: „Wir waren einer der letzten Jahrgänge, die noch mit Hand gezeichnet haben!“) Auch bei der Produktentwicklung spielt Grafik eine Rolle, denn auch Möbel- und Teppich-Entwürfe haben die Hamburger schon realisiert. Auch hier wird gern mit Farb- und Grafik-
Komponenten experimentiert. Wie z.B. bei dem Teppich-Entwurf „Fields“ für Carpet Concept. Mit einem japanischen Pentel-­Pinsel entstanden aus einer Fülle an Freihand-Illustrationen schließlich ausgewählte, biophile Design-Varianten für den Boden. Mit besonderen Oberflächenstrukturen, die sowohl optisch als auch haptisch ansprechen.
Die gestalterische Bandbreite ist bei SBP weit gefächert und reicht vom Teppich bis zum Messestand, von der Office-­Planung bis zum Shop-Design, vom Gastronomie- bis zum Hospitality-Projekt. So wird – glück­licherweise – ein großes Spektrum abgedeckt. Nicht zuletzt das hat dem Büro in 2020 ein sehr gutes Jahr beschert. Bobsin: „Es hat sich gezeigt, dass wir gut aufgestellt sind.“ Dabei ist das SBP-Team (aktuell sind zehn Mitarbeiter am Start) in der Projektarbeit alles andere als glattgebügelt, sondern durchaus schon mal unbequem: „Wir wollen keine begehbaren Visitenkarten ­realisieren und machen aus Arbeitsumgebungen auch keine plakativen Messestände, sondern vielmehr kulturell aufgeladene Orte zur Steigerung der Identifikation und Kommunikation nach innen und außen.“ Das zeugt von gestalterischem Selbstbewusstsein. „Wir spielen auch gern mal den Buhmann, drehen die Dinge auf links und setzen uns in die Nesseln.“ Dazu gehören Charakter, Haltung und vor allem Mut. Genauso aber auch Resilienz und Überzeugungskraft. „Letztlich machen wir unsere Auftraggeber immer glücklich und vermitteln ihnen ein Gefühl der Sicherheit. Ich denke, das ist auch ein ganz wichtiger Aspekt. Schließlich geht es immer um Veränderung und das ruft oft Ängste hervor und verunsichert.“ Bisher, so Kim Marc Bobsin, „sind noch immer alle mit ­einem Lächeln aus dem Projekt gegangen.“
Heike Gessulat



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